Vom Kult der schwarzen Saat: Sanatorium Rabenfels

15th May 1922
Auf Halton House besprechen sich Lord Carnarvon, Herny Walton Jones, Mare und Mary-Ann von Humboldt über die neuesten Erkenntnisse. Mare bringt ihre Gedanken auf den Punkt: Kapitän Wigbold wird von Ihr als den Bösewicht identifiziert und soll laut ihrer Theorie der Drehpunkt dies gesamten Geschehens sein.
Lord Carnarvon beauftragt auf Anraten von Mare de Fleur eine Detektei, um die Aufenthaltsorte von Ragnar Wigbold und Dr. Kare Ase Nidelvin herauszufinden, um den beiden ehemaligen Gefährten einen Besuch abzustatten und zur Rede zu stellen. Dem Pinkerton names Operator Harold Smith werden Indizien, Zeichnung, Merkmale Beschreibung, Hintergrund und Geschichte gereicht. Er soll sich täglich melden und Bericht erstatten. Falls er den Aufenthaltsort herausfindet, soll er sich umgehend melden. Als zweiten Auftrag wird auch Dr. Kare Ase Nidelvin zur Fahndung von dem Lord ausgeschrieben.


Die Spieler fahren anschließend auf Wunsch von Herny zu dem von ihm ermittelten Villiers, leider scheint er nicht zuhause zu sein. Von den Nachbarn erfahren sie, dass Villiers von 2-3 Wochen nach einem Sanatoriumsaufenthalt in der Wohnung war und gleich mit gepackten Sachen verreist ist, mit unbekanntem Ziel.
Auf den Wunsch von Mary-Ann von Humboldt fahren die Gefährten ins British Museum. In der Abteilung für polynesische Kunst und Kultur entdecken Lord Carnarvon und Henry Walton Jones zu ihrem großen Erstaunen eine antike Schriftrolle, die einen Wegbeschreibung nach Atlantis enthält. Dem britischen Museum zur Verfügung gestellt von Dr. Samantha Derby

Zum 5 O`Clock Tee sind die Spieler zurück und in reger Diskussionen vertieft. Es wird allgemein entschieden, bedeutend länger Therapie in Anspruch zu nehmen, bevor man nach Rabenfels fährt.
16th May 1922 – 22th May 1922
Die Spieler machen Therapie, 2 intensive Sitzungen pro Tag, am Wochenende wird sich ausgeruht. Täglich erreicht abends die Berichte der Pinkerton-Agentur die Spieler. Hier sind sieben fortlaufende Berichte der .

AKTENZEICHEN: 88-W / London Office
ZIELPERSON: Kapitän Ragnar Wigbold
OPERATIVE: Harold Smith
16th May 22: Initiale Ermittlungen
Bericht: Auftrag und Vorschuss bestätigt. Ermittlungen umgehend aufgenommen. Abgleich der Register bei der Port of London Authority und Lloyd’s of London. Kapitän Wigbold ist ein bekannter Name in Seefahrerkreisen, gilt jedoch als Eigenbrötler. Keine offiziell gemeldeten Liegeplätze für sein Schiff in den zentralen Londoner Docks (Victoria & Albert Docks) verzeichnet. Die Suche wird morgen auf die unregulierten Kais im East End ausgeweitet.
Spesen: 8s 6d (Droschken, Gebühren für Akteneinsicht).
17th May 22: Befragungen im East End
Bericht: Fokus der Ermittlungen auf Wapping und Limehouse verlagert. Die örtlichen Hafenarbeiter und Seeleute erwiesen sich als äußerst unkooperativ; Schweigen musste mit Silbermünzen gebrochen werden. Ein Informant im Pub The Prospect of Whitby bestätigte, dass Wigbold vor wenigen Tagen dort gesehen wurde. Er wirkte angespannt und mied gesellschaftlichen Kontakt.
Spesen: 18s (Informantengelder, Bestechung von Schankwirten).
18th May 22: Letzter bekannter Wohnsitz
Bericht: Konnten Wigbolds letzte bekannte Absteige in London ausfindig machen: Eine bescheidene Pension in der Nähe der West India Docks. Die Vermieterin, eine Mrs. Gable, teilte nach Zahlung einer Entschädigung mit, dass der Kapitän sein Zimmer gestern Abend hastig geräumt hat. Er nahm sein gesamtes Gepäck mit. Im Kamin des Zimmers fanden sich Reste von verbranntem Papier, darunter Fragmente von Seekarten, die sich nicht mehr rekonstruieren ließen.
Spesen: £1, 5s (Zahlung an Mrs. Gable, Fahrtkosten).
19th May 22: Schiffsausrüster und Vorräte
Bericht: Routinemäßige Überprüfung der großen Schiffsausrüster entlang der Themse. Treffer bei Hawkins & Sons in Rotherhithe. Wigbold kaufte dort gestern Vormittag umfangreiche Vorräte: Pökelfleisch, Zwieback, Trinkwasserfässer und erhebliche Mengen an Schwerwetterkleidung. Er bezahlte die gesamte Ware in bar. Die Menge der Rationen deutet auf eine längere Überfahrt hin. Er ließ die Waren auf kleine Karren laden, weigerte sich aber, den Lieferanten den Zielort zu nennen.
Spesen: 10s (Bestechungsgeld für den Buchhalter bei Hawkins).
20th May 22: Rekrutierung der Mannschaft
Bericht: Ein Operative der Agentur verbrachte die Nacht in den Seemanns-Schänken von Gravesend. Es kursiert das Gerücht, dass ein Mann, auf den Wigbolds Beschreibung passt, diskret nach einer kleinen, verschwiegenen Rumpfbesatzung gesucht hat. Er bot überdurchschnittliche Heuer, forderte aber im Gegenzug blinden Gehorsam und absolute Diskretion. Zwei norwegische Matrosen sollen gestern angeheuert haben. Die Schlinge zieht sich zu; wir überwachen nun die Themse-Mündung.
Spesen: 14s 4d (Getränke und Spesen im Feld).
21th May 22: Sichtung des Schiffs
Bericht: Durchbruch am Nachmittag. Der Hafenmeister von Tilbury bestätigte, dass ein privates Motorschiff – dunkel gestrichen, keine gut lesbare Flagge, jedoch passend zu Wigbolds Boot – in einem abgelegenen Seitenarm beladen wurde. Einer unserer Agenten wurde entsandt, um das Schiff zu observieren, kam jedoch zu spät. Die Liegestelle war bereits geräumt. Das Wasserkaffee und frische Reifenspuren der Karren am Kai bestätigen die rasche Beladung.
Spesen: 11s (Express-Nachrichten, Bahnfahrten nach Tilbury).

22th May 22: Abschlussbericht der Niederlassung
Bericht: Ermittlungen abgeschlossen. Nach Rücksprache mit der Fluss-Polizei und den Zollwächtern an der Themse-Mündung steht fest: Kapitän Wigbold hat England verlassen. Sein Schiff passierte in den frühen Morgenstunden im dichten Nebel die Mündung bei Southend-on-Sea und steuerte auf die offene See zu. Er hat die Drei-Meilen-Zone passiert und englische Hoheitsgewässer offiziell verlassen. Zielhafen unbekannt.
Status: Auftrag in London vorerst beendet. Wir warten auf weitere Instruktionen, ob unsere Übersee-Büros alarmiert werden sollen. Endabrechnung folgt per Kurier.
Spesen: 5s (Letzte Telegrafenkosten)

AKTENZEICHEN: 92-N / London Office
DATUM: 28th May 1922
OPERATIVE: J. C. Harris
ZIELPERSONEN: Dr. Kare Ase Nidelvin & Dr. Samantha Derby
BERICHT: Ermittlungen bezüglich der oben genannten Zielpersonen wurden unmittelbar nach Auftragserteilung aufgenommen. Die Spur startet beim Britischen Museum. Wir erhielten dort die Unterkunft der beiden Damen im Hotel Golden Eagle. Dort erhielten wir den Hinweis, daß die Gesuchten Anfang Mai bereits eine Schiffpassage gebucht.
Nach einer diskreten, aber gründlichen Prüfung der Passagierlisten an der Victoria Station sowie dem Abgleich von Schiffsregistern in Dover und Harwich können wir mit absoluter Gewissheit Folgendes bestätigen:
Dr. Kare Ase Nidelvin und Frau Dr. Samantha Derby halten sich nicht mehr in Großbritannien auf. Unsere Agenten haben festgestellt, dass beide Personen das Land bereits in der ersten Maiwoche verlassen haben.
Den Aufzeichnungen der Fährgesellschaften und des Zolls zufolge reisten sie mit leichtem, aber hochwertigem Gepäck. Sie nutzten die Kanalüberquerung nach Ostende und bestiegen von dort aus den internationalen Schnellzug. Das verbriefte und finale Endziel ihrer Reise ist das Deutsche Reich. Als erster großer Umsteigebahnhof auf deutschem Boden war Köln auf ihren Papieren vermerkt, was auf eine Weiterreise tief in das Landesinnere schließen lässt.
Da die Zielpersonen unseren direkten englischen Zuständigkeitsbereich verlassen haben, pausieren wir die aktive Verfolgung von London aus. Wir erbitten telegrafisch neue Instruktionen, ob wir unsere europäischen Kontakte und Informanten im Deutschen Reich aktivieren sollen, um die Fährte vor Ort wieder aufzunehmen.
SPESEN: 14s 6d (Gebühren für die Einsichtnahme in Hafenregister, Bestechung von Schaltern-Beamten an der Victoria Station).
Das Auge schläft nie.
Operative J. C. Harris
Antwort von Lord Carnarvon: Die Fahndung nach den Personen Dr. Nidelvin und Kapitän Wigbold wird vorerst eingestellt.
23th May 1922 – 28th May 1922
Fortsetzung der teilweise erfolgreichen Therapie, LC hat große Frustrationsmomente.
29th May 1922 – 4th June 1922
Letzter Teil der Therapie, insgesamt geistige und körperliche gute Erholung festzustellen. Die Abenteurer fühlen sich bereit, nach Deutschland zu reisen, um weitere Untersuchungen vorzunehmen. Es werden die Koffer gepackt, Waffen geputzt und Geld sowie Drogenpakete verstaut. Magische Utensilien und Artefakte werden zuhauf mitgeführt. Vor dem Kaminfeuer werden letzte Planungen und Besprechungen durchgeführt.
Die aktuelle Situation im Deutschen Reich (Mai 1922)
Bevor die Reise antritt, muss sich die Reisegesellschaft der besonderen Umstände in Deutschland bewusst sein:
- Die Währungskrise: Die Inflation in der Weimarer Republik nimmt im Frühjahr 1922 rasant Fahrt auf. Für Inhaber von britischen Fund oder US-Dollar bedeutet dies jedoch einen absurden Reichtum. Ein einziges Pfund Sterling ist Tausende von Mark wert. In den Luxushotels und Restaurants speist man als Ausländer für Cent-Beträge wie ein König, was bei der hungernden lokalen Bevölkerung jedoch oft zu bitterem Ressortiment führt.
- Die Besatzung: Das Rheinland ist nach dem Versailler Vertrag von alliierten Truppen (Briten und Franzosen) besetzt. Grenz- und Zollkontrollen bei der Einfuhr eines privaten Automobils können langwierig sein.
- Politische Spannungen: Die Atmosphäre ist hochexplosiv. Geheimbünde, radikale Gruppierungen und Freikorps agieren im Untergrund. Besonders Bayern (das Ziel der Reise) gilt als „Ordnungszelle“ des Reiches und ist ein Hotbed für rechtsgerichtete Nationalisten und völkische Bewegungen.
5th June 1922
Nach dem Frühstück fahren die Investigativen mit dem Taxi zum Port of London. Die Reise startet pünktlich 10am vom Dock London. Die Reisegesellschaft bezieht für die mehrstündige Überquerung nach Calais (Frankreich) eine private Kabine auf dem Promenadendeck und setzen über nach Calais.Nach der Ausschiffung in Calais geht es auf staubigen, teils noch vom Krieg gezeichneten Straßen quer durch Belgien in Richtung der deutschen Grenze bei Aachen, Ziel ist Köln am Rhein. Die Stadt steht unter britischer Besatzung, was für englische Reisende die Bürokratie erheblich erleichtert.
Unterkunft & Sehenswürdigkeiten: Logiert wird im traditionsreichen Hotel Excelsior Ernst direkt gegenüber dem majestätischen Kölner Dom. Abends empfiehlt sich ein Spaziergang auf der Hohenzollernbrücke, während die Abendsonne sich im Rhein spiegelt. In den Straßen sieht man eine Mischung aus elegant gekleideten Bürgern, britischen Offizieren in Khaki-Uniformen und kriegsversehrten Bettlern. Es wird dort genächtigt, es gibt keinerlei Zwischenfälle oder Störungen, die Reise verläuft angenehm. Der Lord sieht sehr erholt aus, ist jedoch für Juni sehr warm angezogen.

6th June 1922

Die Reise wird mit dem Zug fortgesetzt, Ziel ist Nürnberg, was ohne weitere Zwischenfälle nach wenigen Stunden erreicht wird.
Ankunft mit dem Zug in Nürnberg. Um die letzte und abgelegene Etappe unserer Reise antreten zu können, suchten wir umgehend einen Automobilhändler auf. Zu meiner Überraschung wickelte Henry den Kauf rasch und völlig ungerührt ab: Für 50 Millionen Reichsmark erstand er einen Mercedes Benz 10-30 PS, einen Sechssitzer mit einer Höchstgeschwindigkeit von 75 Stundenkilometern. Die Abfahrt verzögerte sich durch unerwartete Komplikationen. Mare hatte sichtlich Schwierigkeiten, das ungewohnte deutsche Fahrzeug zu bedienen, was beinahe in einem Unfall endete. Lord Carnarvon übernahm daraufhin konsequent das Steuer, verschätzte sich jedoch gravierend und fuhr den Wagen frontal an einen Baum. Der Motorschaden war irreparabel. Henry nahm diesen Rückschlag stoisch hin und erwarb unter beträchtlichem finanziellen Verlust schlichtweg ein zweites Automobil. Mary-Ann übernahm die Lenkung und bewies eine sichere Hand, sodass wir die Stadt endlich hinter uns lassen konnten. Gegen 6pm haben die Abenteurer das Ziel, das Dorf Rabenfels, erreicht.

Die Atmosphäre im Ort ist merklich gedrückt. Der bauliche Zustand der Häuser ist heruntergekommen, die meisten Fensterläden sind fest verschlossen. Die wenigen Einheimischen, die wir zu Gesicht bekamen, begegneten uns verschlossen. Am Abend treffen die Investigativen im örtlichen Wirtshaus „Zur schwarzen Feder“ ein und haben sich mit Schweinebraten und Knödeln gestärkt. Aus rein taktischen Gründen wird beschlossen, Quartier für die Nacht zu beziehen. Wie Lord Carnarvon oft erwähnt: Es ist strategisch sinnvoller, morgen bei Tageslicht und ausgeruht am Sanatorium vorstellig zu werden.

Im Wirtshaus erfährt Henry noch viele wertvolle Hinweise vom Wirt.
7th June 1922 Ankunft im Sanatorium Rabenfels

Nach dem Frühstück im örtlichen Wirtshaus erfolgte die rund zehnminütige Auffahrt zur Anlage. Das Sanatorium befindet sich auf einem exponierten Felsplateau und ist logistisch sowohl über eine Straße als auch per Seilbahn angebunden. Auf dem Gelände waren bei Ankunft sechs Fahrzeuge geparkt (zwei Lkw sowie vier Pkw mit italienischen, französischen und deutschen Kennzeichen).
Das Grundstück macht einen weitläufigen und gepflegten Eindruck. Es umfasst Rasenflächen, Rosenbüsche und Gaslaternen sowie einen durch Glaswände geschützten Liegebereich mit Blick auf das Alpenpanorama. Das Hauptgebäude basiert auf der Struktur eines ehemaligen Klosters. Das historische Erdgeschoss mit Buntglasfenstern wurde nachträglich um ein weiteres Stockwerk ergänzt, zudem wurde der zentrale Turm baulich erhöht.

Der Zugang war offen, die Begrüßung durch den Concierge, Martin Eberling, erfolgte nach gehobenen internationalen Standards. Während der Anmeldung kam es zu Diskursen innerhalb der Gruppe, was dazu führte, dass nicht die Identitäten aller Gruppenmitglieder formal erfasst wurden. Die Rezeption verfügt über ein Schlüsselbrett für 80 Zimmer.
Die Einrichtung ist äußerst luxuriös ausgestattet. Das therapeutische Angebot ist breit gefächert: Es reicht von klassischen Kneipp- und Schlammbädern über Praktiken zur strukturellen Körperarbeit und gezielten Entspannung wie Yoga bis hin zu einem Operationssaal für Lobotomien. Ferner existieren Vortragssäle, eine Bibliothek sowie ein Gastronomieangebot mit Spirituosenausschank.
Die Unterbringung der Gruppe erfolgte im ersten Stock des Westflügels. Auf dem Weg dorthin passierten wir das Schwarze Brett sowie die Unterkünfte der regulären Patienten. Auffällig war hier der starke Kontrast zur sonstigen Luxusausstattung: Die Patientenzimmer erinnerten durch Gitter und schwere Verschlüsse stark an Gefängniszellen.









